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Mannheim: „Aktion Seelenzeitwürfel“

Kunst hilft neuen Bäumen

Die Bäume in der Augustaanlage, die gefällt werden mussten, leben weiter –
als Kunstwerke mit dem Namen „Seelenzeitwürfel“. Der Mannheimer Künstler Sebastian Mandel gestaltet sie unter dem Motto „Neue Kunst aus alten Bäumen“. Die ersten Exemplare wurden jetzt bei einer Vernissage in der Galerie
„theuer + scherr“ vorgestellt. Sie waren gleich sehr begehrt.


Mannheim. „Die Resonanz war schon im Vorfeld riesig“, berichtete Arndt Theuer, der mit Julia Scherr die Galerie, Kunsthandlung und Vergolderwerkstatt seit 2005 an der Ecke Augustaanlage/Friedrichsplatz führt. „Kaum war die Einladung verschickt, bekamen wir sogar eine Bestellung aus New York – von einem früheren Mannheimer, der jetzt ein Büro auf der 5th Avenue hat“, so Theuer.

Er erinnerte daran, wie die Anwohner schmerzlich mit ansehen mussten, dass die mehr als 100 Jahre alten, zum Stadtjubiläum 1907 gepflanzten Platanen gefällt werden. „Es hat uns allen leidgetan, zu sehen, wie so eine große Maschine krachend zugreift, dann nur noch Baumstümpfe übrigbleiben und es danach aussieht wie auf einem Schlachtfeld“, sagte der Galerist. Doch nun sehe man die – noch nicht abgeschlossenen Fällarbeiten – gelassener, denn „auch Bäume haben eine Seele, und die lebt weiter“, sagte Arndt Theuer und erklärte so den Titel der Kunstwerke: "Seelenzeitwürfel". Zwar passe „ein so esoterischer Titel sonst nicht zum Stil unserer Galerie“, meinte Theuer, hier aber sei er „sehr zutreffend, denn so bleibt etwas übrig von den alten Bäumen, das jeder sich als Erinnerung mitnehmen kann“.

Genau das war die Idee des Künstlers. „Zunächst war ich ganz allein mit meinem Bleistift, aber dann kamen immer mehr Leute, die es unterstützt haben“, dankte Sebastian Mandel besonders seiner Familie, der Stadt Mannheim und dem Friedrichsplatz e.V. Gerade aufgrund der Hilfe des Vereins habe sich „eine enorme Power, eine enorme Dynamik aus der Idee entwickelt“, so Mandel. Der 1986 in Mannheim geborene, in der Nähe des Wasserturms wohnende Künstler und angehende Architekt schafft aus den von der Stadt zur Verfügung gestellten Stämmen würfelförmige, aber teils abgekantete Holz-Skulpturen.

Sie haben Kantenlängen von 15 bis 40 Zentimeter und sind alle etwas unterschiedlich, aber im Prinzip quadratisch – als Hommage an die Quadratestadt Mannheim. Alle Würfel werden von Mandel nummeriert und von Hand signiert. Sie kosten zwischen 210 und 980 Euro. Oft sieht man an ihnen auch genau, warum die Bäume gefällt werden mussten: weil sie vom Pilz zerfressen, von Umwelteinflüssen geschädigt sind oder teilweise noch Bombensplitter in sich tragen. Doch auf diese Weise, so Sebastian Mandel, lebten die Bäume fort.

„Es ist im wahrsten Sinne nachhaltige Kunst“, freute ich Umweltbürgermeisterin Felicitas Kubala in ihrem Grußwort. „Bäume sind oft mit Emotionen verbunden, und gerade bei der Augustaanlage habe ich schnell gemerkt, wie sehr die Mannheimer an diesen Bäumen hängen“, sagte Kubala. Als sie von dem Kunstprojekt gehört habe, „hat mir das daher von Anfang an gut gefallen“, so die Dezernentin. „Es ist ein schönes Projekt, denn wir alle profitieren davon“, so Kubala. Schließlich stellt der Künstler die Hälfte des Verkaufserlöses als Spende für die Pflanzung neuer Bäume auf der 1,2 Kilometer langen Allee zur Verfügung. Er wolle so „den Menschen die Gelegenheit bieten, ein Stück historisches Mannheim zu erstehen, um aktuelles Mannheim mitzugestalten“, so Mandel.

Organisiert wird das vom Friedrichsplatz-Verein, „dem Zusammenschluss aller Menschen, die hier am Wasserturm arbeiten“, so Vorsitzender Harald Steiger. Als Sebastian Mandel mit der Idee auf ihn zugekommen sei, „da war ich sofort Feuer und Flamme dafür", so Steiger. Nachdem auch die Stadt zustimmte, habe der für die Ausrichtung des Arkadenfests bekannte Verein beschlossen, „dass wir unseren Beitrag für die Gemeinschaft leisten“ und er gerne die Kosten für die Werbematerialien für das Projekt übernehme sowie den Künstler weitgehend unterstütze. Die 150 Würfel, die Mandel aus sechs Stämmen von den ersten, im Jahr 2011 gefällten Platanen geschaffen habe, sei „einfach wunderbar“. Die weiteren gefällten Bäume müssen erst trocknen, ehe Mandel sie bearbeiten kann. Aber mehr als
1500 Würfel soll es auf keinen Fall geben.

Peter W. Ragge, Mannheimer Morgen
16.06.2013


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