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Reaktionen: Was Anwohner zum geplanten Neubau der Kunsthalle sagen /
Zwiespalt zwischen großem Wurf und Anpassung an die Umgebung

So wirkt das ganze Unterfangen etwas mutlos

Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

Sie sind so gespalten wie die Jury – die Anwohner des Friedrichsplatzes, bald direkte Nachbarn der neuen Kunsthalle, äußern sich teils zufrieden, teils deutlich ablehnend über die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs.

Lob kommt von Harald Steiger, dem Vorsitzenden des Friedrichsplatz e.V.: Er findet die Vorgehensweise des Architektenwettbewerbs "lobenswert und für die Öffentlichkeit transparent, spannend, beeindruckend und sehr informativ", da die Anwohner schon während der Ausschreibungs- und Planungsphase eingebunden worden seien. Von den drei preisgekrönten Entwürfen gefällt ihm der Bau des Hamburger Büros gmp am besten. Da er jedoch zu teuer ist, präferiert er das Modell von Volker Staab (Berlin): "Es hat einen gewissen Reiz durch die von vorne offene Bauweise." Wichtig sei jetzt jedoch die Farbgestaltung der Fassade: "Die muss unbedingt mit dem gesamten Ensemble des Friedrichsplatzes harmonieren", fordert der Vorsitzende des Vereins, in dem Anwohner und Gewerbetreibende zusammengeschlossen sind. Er erwartet, dass durch den Neubau der Friedrichsplatz "sichtlich aufgewertet" wird: "Ziel und Zweck muss es sein, dass Menschen angelockt werden, um das Museumsinnere zu betrachten. Ein hübscher Baukörper alleine würde das Ziel verfehlen."

"Nicht zu mächtig"

"In erster Linie einen im Inneren funktionalen Bau" wünscht sich Galerist Sebastian Fath, der von seiner Wohnung direkt auf die Kunsthalle blickt. Der Neubau müsse "anders als sein Vorgänger die Anforderungen an ein modernes, zukunftsorientiertes Museum erfüllen, gleichermaßen die Präsentation der Sammlung ermöglichen sowie Raum für Wechselausstellungen bieten". Allerdings "erstaunte mich die Ähnlichkeit vieler Entwürfe und die weitestgehend enttäuschenden Vorschläge der großen Star-Architekten", so Sebastian Fath: "Es ist schade, dass keine Platzsituation bei den Siegerentwürfen dabei ist, die den Blick auf den Billing-Bau freigegeben hätte", kritisiert er.

"Die drei siegreichen Entwürfe überzeugen in funktionaler Hinsicht, ästhetisch jedoch nicht", moniert Jörg Ueltzhöffer: "So wirkt das ganze Unterfangen etwas mutlos", meint er. Nach Meinung von Steffen M. Kling, der wie Ueltzhöffer aus seiner Wohnung direkt auf den Wasserturm blickt, "passt keiner der Vorschläge in unsere Jugendstilanlage". "Visionäres hätte man auch in Anlehnung an das hier herrschende Gesamtbild schaffen können", glaubt er: "Gewünscht hätte ich mir einen Bau, der das Bild ergänzt und nicht als Eyecatcher geschaffen wird", betont Kling jedoch und verweist als Beispiel auf die Einsendung des Büros Schneider und Schumacher.

"Alle drei Entwürfe lassen erahnen, dass man mit dem Neubau versuchen will, einen harmonischen Konterpunkt zu setzen, der dennoch mit der Gesamtanlage Friedrichsplatz korrespondiert", so Gerhard Nonnenmacher von der "voon Werbeagentur" in den Arkaden: "Genau das würden wir uns auch von dem neuen Bau wünschen."

Mehr erwartet hat indes Arndt Theuer von der Galerie "Theuer + Scherr": "Leider war, vielleicht durch das starre Gerüst der Vorgaben, der große Wurf nicht dabei", bedauert er: "Einen Bilbao-Effekt wird es so leider in Mannheim nicht geben. Ergeht es uns wieder wie einst mit dem Entwurf von Mies van der Rohe für das Nationaltheater?", fürchtet er. Auch Architekt Andreas Plattner, der direkt neben der Kunsthalle wohnt, habe "eigentlich mehr erwartet", gibt er zu – "aber dann war ich doch froh, dass es keinen Kracher gab". Der, so ist er überzeugt, hätte nämlich nicht an diese prominente Stelle gepasst. "Es darf nicht zu mächtig werden &ndash und das, was jetzt in der engeren Wahl ist, das passt", ist Plattner überzeugt.

Mannheimer Morgen
30. Juli 2012


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