Headerbild: Mannheimer Wasserturm

< Zurück

BÜRGERFORUM: Mehrheitlich Beifall zum Modell / Ausblick auf
„den schönsten Platz Deutschlands“

Viele Fragen zur Fassade

Kann man die Drähte verbiegen, wie werden sie gereinigt, gesichert, vor Vögeln und Vandalen geschützt, wie werden sie bei Wind klingen? Viele Fragen im Detail, aber mehrheitlich doch große Zustimmung zu dem erstmals vorgestellten Fassadenmodell gab es beim Bürgerforum zum Neubau der Kunsthalle.

Rund 300 Zuhörer drängten sich in einem Saal des Mitzlaff-Baus der Kunsthalle; rund 25 verfolgten eine Bildund Tonübertragung in einen weiteren Raum - es war die letzte Veranstaltung in dem Gebäude, das im Sommer abgerissen werden soll.

"Wir haben jetzt ein gutes Ergebnis, das sehr gut zu den umgebenden Sandsteinfassaden passt", begrüßte Dr. Manfred Fuchs, Vorsitzender des Stiftungsrats, die Gäste zu der von Bert Siegelmann (RNF) moderierten Runde. Mehrheitlich Beifall gab es, als Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz das Modell "überzeugend und faszinierend" nannte.

Denkmalschutz einverstanden

Zuvor hatte Nikolaus Goetze vom Architekturbüro gmp ausdrücklich versichert, "dass der Neubau den wunderschönen Billingbau nicht erdrücken wird". Er halte die Friedrichsplatzanlage für "den schönsten Platz Deutschlands, wenn nicht Europas". Daher wolle er nicht nur, dass sich der Bau dort einfügt, sondern, dass man aus dem Museum einen Ausblick auf diesen Platz hat". Dies sei möglich durch offene Terrassen ebenso wie Fensterfronten.

Ohne die Kosten (die für die Fassade fünf Prozent des Gesamtetats ausmachten) zu steigern, habe man die Gestaltung weiterentwickelt. Während der aus einzelnen Kuben bestehende Museumsbau die Quadratestruktur Mannheims aufgreife, werde er von der Metallhülle zusammengehalten. Unterschiedlich dichtes Gewebe ermögliche Transparenz. Kulturbürgermeister Michael Grötsch lobte dies als "sehr ansprechend". Die Anforderungen des Denkmalschutzes seien erfüllt, erklärte Baudezernent Lothar Quast.

"Das sieht aus wie eine biedere Jalousie von einem Einfamilienhaus", kritisierte dagegen Martin Dunz. Thorsten Portisch sprach abschätzig von einem "schrecklichen Kunst-Knast". "Das könnte ein Kaufhaus sein", kritisierte ein Herr Voges, der seinen Vornamen nicht nennen wollte. Wiebke Fabian bezweifelte, dass der Bau vandalismussicher ist. "Wird er, wenn er in ein paar Jahren abgewrackt aussieht, wieder abgerissen?", fragte sie. "Man hat Ihnen offenbar nicht gesagt, dass Mannheim seine öffentlichen Gebäude nicht pflegt. Verzichten Sie auf den Schleier", rief Wolfgang Fabian dem Architekten zu. Thomas Bauer fand zwar "die Ästhetik sehr gut", sorgte sich aber um die Akustik: "Fängt die Fassade irgendwann an zu singen?"

Ein Lob kam von Architekt Andreas Plattner, der anfangs zu den Kritikern gehört hatte. "Ich darf Ihnen gratulieren, aber die Arbeit fängt erst an!" Das räumte Goetze ein. Natürlich seien Details noch in Arbeit. "Sie müssen uns schon irgendwie vertrauen, dass wir das richtig machen!"

Hakenkreuz-Schmiererei

Dieses Vertrauen sprach den Architekten unter anderem Dr. Jürgen Strube, früherer BASF-Vorstandschef, aus. Er plädierte für einen baldigen Baubeginn, da der Altbau derzeit nicht barrierefrei ist. "Für die junge Generation ist das ein sehr schöner Entwurf. Ich bin überzeugt, dass man in ein neues Museum eher junges Publikum bekommt, als wenn der Altbau saniert werden würde", meinte Corinna Klaes.

Dagegen begrüßte die Bürgerinitiative gegen den Abriss des Mitzlaff-Baus die Gäste der Veranstaltung mit zahlreichen vor der Kunsthalle in den Boden gesteckten Holzkreuzen. Sie seien "ein Akt zivilen Ungehorsams", hieß es darauf.

Ein Abrissgegner, der wegen Pöbeleien nach Ablauf der Diskussion aus der Kunsthalle verwiesen wurde, sprühte auf den Vorplatz ein etwa zweimal zwei Meter großes Hakenkreuz auf den Boden. Dabei beobachteten sowohl Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes als auch Gäste den 44-Jährigen. Der Mann wurde festgehalten, Anzeige erstattet und die Polizei verständigt. Ein Kunsthallen-Mitarbeiter beseitigte die Sprayerei noch in der Nacht.

Peter W. Ragge, Mannheimer Morgen
24. Mai 2014


< Zurück